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Ortsgeschichte von Pischelsdorf und Lausham

Gegründet wurde Pischelsdorf vermutlich von dem damaligen Grundherrn, einem Freisinger Bischof. Erstmals schriftlich erwähnt wird die Pfarrei Pischelsdorf 915 in der Konradinischen Matrikel. Kirche und Ort werden als "Piscoffes" erneut 957 und um 972/976 erwähnt, als der Unfreie Asmar vom Bischof Abraham von Freising Grundstücke in "Piscoffesdorf" eintauschte und diese Erwerbungen später dem gleichen Bischof gegen Grundstücke in "Lochusun (Lochhausen) zurückgab. Um 1300 besitzt Kloster Scheyern 3 Lehen in "Byschofstorf". Der Chorherr von Ilmmünster schenkt 1342 ein Gut in "Pischolfstorf" an das Kloster Scheyern. 1567 wird in den Klosterliteralien von Scheyern der Ort "Pischolfstorff" erwähnt. Apian erwähnt 1582 ein "Püschlstorff an der Ilm" mit Kirche. Ende es 18ten Jahrhunderts findet sich auch die Schreibweise "Büschelsdorf". Im Jahre 1752 gibt es in Pischelsdorf 23 Anwesen, Hausnamen von damals waren: Weberchristel, Peyrl, Pleß, Sämmer, Mesner, Widenpaur, Kurbl, Glaß, Prölß, Schuhmacher, Wagner und Sedlpaur.

Schon aus diesem Grunde waren die Gemeinden gezwungen ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen wie zum Beispiel das Schulwesen, Straßen- u. Wegebau und eben auch das Feuerlöschwesen.

Auch Lausham wird erstmals im Zusammenhang mit dem Tausch von Grundstücken zwischen 1047 und 1053 erwähnt. Der Unfreie Mathuni tauschte von dem Edlen Helmbert zu Laim Land in Lushaim ein. Der Ortsname "Lushaim" kommt vermutlich von "luze", was Lauer, Versteck bedeutet. Um 1190 schenkt die Schwester eines Marchwardus von Waidhofen das Gut Lushaim an das Kloster Scheyern, um 1300 schrieb man von "Lavshaim" und um 1422 findet sich der Name Laußhaim. 1498 wird in einer Gerichtsurkunde "ain hof, genannt der Laushof zu Lausheim" erwähnt. 1524 zählte zu "Laushaym" auch der Tannhof, auf dem ein "Hintermair alias Schrueff" sitzt. 1642 brennt die Mühle zu Lausham (ein Sägewerk und zwei Mahlgänge) völlig ab und wird wieder neu errichtet. 1752 gibt es in Lausham 11 Anwesen. Genannt werden die Namen "Baur, Schuster, Glas, Müller, Lott, Luz und Ehemair". Um 1800 begann man in Lausham und in Pischelsdorf mit dem Schulunterricht, den zunächst der Pfarrer oder der Mesner übernahm. 1812 übernimmt der gelernte Schneider und angehende Schulpräparand Mayr den Unterricht für alle Kinder der Pfarreien Pischelsdorf und Steinkirchen in Lausham in seinem eigenen Haus. 22 Jahre später, ab 1834 erhält er dafür dann einen jährlichen Mietzins von 9 Gulden. Die Schulpflicht wurde damals nicht so genau eingehalten, da die Kinder oft weite Wege zu Fuß zurücklegen mussten (Gründholm - Lausham). Die Wege waren schlecht und im Winter oft unpassierbar, die Kinder hatten kaum Kleidung und wurden auch zuhause gebraucht. 1835 unterrichtete der Lehrer 95 Werktagsschüler. 1847 zog die Schule in das neue Schulhaus in Steinkirchen um.

1818 wurde Pischelsdorf eine selbständige Gemeinde. Am 10.1.1862 brennt das alte Mesnerhaus (heute der Unterwirt) völlig ab, das daraufhin neu erbaute Anwesen wird 1899 mit neu errichteter Remise und 7,37 Tagwerk Grund auf 9500 Mark geschätzt. 1878 wird ein Hüt- und Armenhaus erwähnt, gedacht für Bedürftige aber auch Kranke, die "nicht in das Krankenhaus gebracht werden können oder dürfen". 1881 liest man, dass der Gemeinde auf ihrer gesamten Flur (ca. 900 Tagwerk) das Jagd- Weide- und Fischrecht gehört. 1900 wird der Ziegelstadl am Ende der Kornackerstraße abgebrochen. Dieses Anwesen, der Hammer - Hof (mit Ziegelstadl, Ofen, Haus, Stall, Stadel und 1,45 Tagwerk Grund) war 1881 um 2500 Mark ersteigert worden.

Um 1903 bekam man für 70 Pfennig ein Abendessen mit Bier, das entsprach ungefähr dem Arbeitslohn für eine Stunde, denn ein Zimmermannsgeselle verdiente beispielsweise 5,60 Mark am Tag (ca. 140 Mark im Monat). Der Quadratmeterpreis für Bauland betrug in Pischelsdorf ca. 1,70 Mark.

Auf der Grundlage einer bereits seit mindestens 1874 existierenden Löschgruppe wird 1903 die freiwillige Feuerwehr Pischelsdorf gegründet, welche neben dem Feuerlöschdienst auch gesellige Veranstaltungen in der Gemeinde organisiert.

1906 wurde der Schützenverein "Bavaria - Pischelsdorf" gegründet. Während des ersten Weltkrieges kam es zu Lebensmittelknappheit, weshalb die Gemeinde einen vermehrten Abschuss der Rehe verlangt, um so die Getreidefelder zu schonen.

Am 23.3.1917 gab es für Pischelsdorf und Lausham zum ersten Mal Licht in 4 Häusern. Die damaligen Abnehmer waren Andreas Flammberger, Josef Engelmann, Kaspar Hartl und Josef Schrall. Diese 4 Haushalte mussten für den Stromanschluss zusammen 1250 Mark bezahlen. Jeder neue Abnehmer musste 100 Mark berappen, die dann den 4 oben Genannten zum Teil rückerstattet wurden. Der Grundpreis für den Lichtzähler und einen 3 PS Motor betrug eine Mark pro Monat.

Als Folge der Weltwirtschaftkrise in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg musste die Gemeinde Pischelsdorf einen Notstandskredit von 400 Mark aufnehmen, den sie an vier Landwirte als Darlehen verteilte. Über die genaue Verwendung der Darlehen ist nichts näheres bekannt. Nach der Währungsreform 1924 stabilisierten sich die Preise dann schnell, die Fleischbeschaugebühr für 1 Stück Großvieh betrug 1928 2,50 Reichsmark, der Wasenmeister (Abdecker) erhielt damals von der Gemeinde Pischelsdorf einen Jahreslohn von 100 Reichsmark. 1929 wurde beim Huber (Haus Nr. 16) eine öffentliche Telefonstelle eingerichtet, die Gemeinde musste dabei einen monatlichen Gebühreneingang von 6 Mark gewährleisten. 1930 kostete eine Halbe Bier etwa 24 Pfennig, der Gemeindehaushalt belief sich in diesem Jahr auf 2950 RM. An Arbeitslosenunterstützung wurden 1937 wöchentlich 10,20 RM ausbezahlt. (keine näheren Angaben)

Der zweite Weltkrieg brachte unendliches Leid über Deutschland: Millionen Tote, Millionen Witwen, Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. 1946 wird der Schäfflermeister Georg Grahammer Bürgermeister von Pischelsdorf. Alles, was in den nächsten 25 Jahren geschaffen wird, können er und der Gemeinderat sich an ihre Fahnen heften. In seinem ersten Amtsjahr wurden Wohnungen für Heimatvertriebene geschaffen, um diesen Menschen ein Zuhause zu geben. 1948 findet der Sportverein Steinkirchen seine Heimat beim Gasthaus Pfab in Pischelsdorf und die Währungsreform bringt einen neuen Hoffnungsschimmer für die Zukunft auch in Pischelsdorf. 1949 wurden auf Grahammer's Betreiben Gemeindegrundstücke - überwiegend aus der Gemarkung Lausham - für Vertriebene, Schwerbeschädigte und Kriegsgefangene zu sozialen Preisen abgegeben. All diesen Hilfsbedürftigen wurde so die Möglichkeit gegeben im Dorf Oberpaindorf ein eigenes Heim zu schaffen.

Im Jahre 1954 beteiligte sich die Gemeinde am Schulplatzkauf in Steinkirchen. 1955 zählte man in der Gemeinde drei Herrenschneider, einen Schäffler, einen Sattler, einen Wagner, einen Schmied, einen Schuster, einen Schreiner und einen Maurer. Eine Kartoffelkäferspritze, eine Viehwaage und ein Kleereiber wurden 1956 angeschafft. 1958 wird in Lausham eine öffentliche Telefonzelle aufgestellt. 1959 wurde die Hauptstraße in Pischelsdorf ausgebaut und geteert, ein Jahr später bekam Pischelsdorf eine Wasserversorgung. Außerdem wurden die Gemeindestraßen zum Bahnhof und nach Haunstetten geteert. 1962 wurden die Straßen in Pischelsdorf zum ersten Mal elektrisch beleuchtet. 1965 wurde schließlich mit finanzieller Beteilung der Gemeinde Pischelsdorf in Steinkirchen das Schulhaus mit Lehrerwohnung errichtet. 1966 wurde in Pischelsdorf mit dem Bau des Gemeindehauses mit Feuerwehrgerätehalle begonnen, ein Jahr später war die Einweihung. Im Obergeschoss des Gebäudes wurde eine Wohnung für der Gerätewart der Feuerwehr geschaffen. 1968 beteiligte sich die Gemeinde mit 2500.- DM an der Renovierung der Pischelsdorfer Kirche. 1969 wurde für 151 954 DM der Bau der Wasserleitung nach Lausham und Oberpaindorf vergeben, ebenfalls in diesem Jahr 1969 stellte die Gemeinde einen Bebauungsplan für die neue Siedlung an der Kornackerstraße auf, ab 1982 wuchs Lausham stark durch die Siedlung am Sattlerberg. 1970 erfolgte der Ausbau der Gemeindestraßen nach Langwaid und Steinkirchen. 1971 stimmte schließlich die Mehrheit der Pischelsdorfer Bürger für die Verschmelzung mit der Gemeinde Reichertshausen.

1973 wurde ein neues Leichenhaus errichtet. Die Kanalisierung erfolgte Ende der 70er-Jahre. Zum 1.1.1980 wurden wegen Schließung des Vereinslokals "Gasthaus Pfab" auch die darin heimischen Vereine, nämlich der Sportverein "SV Steinkirchen" und der Schützenverein "Bavaria Pischelsdorf" aufgelöst. 1985 wurde der Verein "Maibaumfreunde" gegründet, dank dessen es seit 1989 in Pischelsdorf wieder regelmäßig einen Maibaum gibt. In Lausham gab es bereits seit 196? (vgl.: Festschrift Schützen Lausham) regelmäßig wieder einen Maibaum.


Die Einwohnerzahl

1935: Pischelsdorf: 166 in 31 Wohngebäuden, Lausham: 71 in 12 Häusern
betrug vor dem Krieg (WW 2) 207
1971 waren es 321.
1990: Pischelsdorf: 383, Lausham: 192


Die Pischelsdorfer Bürgermeister:

- 1856 Meister
- 1870 Lang
1881 - 1899 Schmied
1900 - 1910 Bergmeier Lorenz
1911 - 1914 Bergmüller
1914 - 1924 Riedmair Simon
1925 - 1935 Englmann Josef
1935 - 1944 Schwertfirm Martin
1945 Hartl Josef
1946 - 1971 Grahammer Georg